Evangelisch-lutherische Kreuzkirchengemeinde Marcardsmoor
Evangelisch-lutherische Kreuzkirchengemeinde Marcardsmoor

Die Geschichte der Kreuzkirche

Im Zuge des dritten Abschnitts der Moorkultivierung der ostfriesischen Hochmoore wurden die Wurzeln für die Entstehung der Kirche auf dem Moor, der heutigen Kreuzkirche gelegt.

 

Nach der Gründung der Kirchengemeinde am 01. Juli 1903 wurde der erste Kirchenvorstand am 14. September 1903 gewählt und eine Woche später in sein Amt eingeführt. Der Kirchenvorstand beantragte beim Königlichen Landeskonsistorium in Hannover den Bau der eigenen Kirche in Marcardsmoor.

 

Das Land für Kirche, Pfarrhaus und Friedhof - 3,1 ha Hochmoor - wurde durch die staatlichen Stellen unentgeltlich zur Verfügung gestellt, was die Kosten erheblich verringerte. Geplant waren 30.000 Mark für den Bau einer Kirche mit Pfarrhaus. Im September 1904 begannen die ersten Arbeiten. Damals hatte der Ort Marcardsmoor bereits 45 bebaute Siedlungen, ein Gebäude für den Moorvogt, das Gefangenenkolonat, das Gemeindehaus und die Schule.

Die Ausgangsvoraussetzungen für den Bau der Kirche waren schwierig. Bis zu 5 Meter tief war das Moor auf dem vorgesehenen Gelände nördlich des Kanals. Da die Kirche auf festem Sandboden entstehen sollte, musste für die Grundmauern alles mit der Hand ausgeschachtet und auf Karren weitertransportiert werden. Die schwere Arbeit hatten zum größten Teil Strafgefangene zu leisten, die nur geringfügig bezahlt wurden. Aufgrund der großen Moortiefe wurde die Rede überliefert, dass "unterhalb der Oberfläche genauso viele Steine verbaut wurden, wie über der Erde."

 

Die Steine für das Fundament wurden im Wesentlichen aus Ditzum per Schiff angeliefert. Für die Außenmauern wurden die Steine von den Ziegeleien in Wiesede und Rispel bezogen. Über 300.000 Steine wurden zu Pferd und Ackerwagen zur Baustelle gebracht.

Mitte März 1905 schreiben die "Ostfriesischen Nachrichten" in Aurich: "Mit dem Bau der hiesigen Kirche und des Pfarrhauses geht es rüstig vorwärts. Die Grundmauern, welche auf festem Boden ruhen, ragen schon aus dem Moore hervor. Die schwierigste Arbeit ist somit bewerkstelligt, und es muß den Bauleitern sowie auch den Handwerkern der hiesigen Gefangenenanstalt zur Ehre gereichen, ein solches Stück Arbeit bei den schwierigen Bodenverhältnissen zur Zufriedenheit vollendet zu haben."

Es entstand ein Rohziegelbau im neugotischen Stil mit vorgebauter Ostapsis, dem kleinen Anbau für den Altar. Für den Aufgang zur Holzempore wurde ein kleiner Vorbau im Norden errichtet.

Aus verschiedenen Lagern der Region, die der Strafanstalt Lingen unterstellt waren, wurden befähigte Gefangene nach Marcardsmoor gebracht, die in großem Umfang Innen- und Holzarbeiten übernahmen. Dazu gehörten z.B. Altar, Kanzel, Taufbecken, Empore und die Bänke. Malermeister Remmers aus Friedeburg war für die Malerarbeiten zuständig. Die eindrücklichen Bleiglasfenster mit Szenen um die Salbung Jesu, Kreuz und Auferstehung wurden durch den Hofglasmeister Prill in Hannover hergestellt. Die Glocke für den offenen Dachreiterturm mit einer Höhe von insgesamt 25 Metern wurde bei einer Hildesheimer Firma beauftragt.

Das angeschlossene Pfarrhaus war für Pastor Otto Wessels am 01. Dezember 1905 bezugsfertig, die Einweihung der Kirche ließ noch auf sich warten. Im Februar 1906 waren die Hauptarbeiten abgeschlossen. Nur die Bänke waren nicht aufgestellt und die Glocke nicht aufgehängt. Die letzten Arbeiten zogen sich in die Länge, da keine handwerklich begabten Gefangenen mehr gestellt wurden.

Ein Artikel der "Ostfriesischen Nachrichten" in Aurich Ende November 1906 lässt das Ende der Wartezeit erahnen: "Unserer Gemeinde wurde die freudige Mitteilung gemacht, dass gleich nach den bevorstehenden Feiertagen die hiesige neuerbaute Kirche eingeweiht werden soll. Da die Baulichkeiten derselben und die Planierungsarbeiten in den nächsten Tagen fertig werden, wird der schöne und solide Bau von Seiten der Kirchenbehörden abgenommen werden können."

 

Schließlich war es soweit. Am 10. Februar 1907 wurde die feierlich geschmückte Kirche in Marcardsmoor, heute Kreuzkirche, in Gebrauch genommen. Das biblische Leitwort wurde dem 100. Psalm entnommen. Bis heute erinnert der Schriftzug über dem Altarraum daran: "Dienet dem Herrn mit Freuden, kommt vor sein Angesicht Frohlocken." (Psalm 100,2).

Zur Einweihung erhielt die Kirchengemeinde eine ledergebundene, reich geschmückte Kanzelbibel mit einer handschriftlichen Wittmung der damaligen Kaiserin Auguste Victoria. Familie von Marcard (das Dorf Marcardsmoor wurde nach dem Unterstaatssekretär Dr. Eduard von Marcard benannt, der die Kultivierung und Kolonialisierung der Moorflächen stark gefördert hatte) hat die neue Kirche ebenfalls mit wertvollen Stiftungen bereichert: Von ihnen sind die große Altarbibel mit Goldprägung und zwei silberne Altarleuchter des Silberschmieds Franz Bolze aus Bremen. Kanne, Kelch und Paterne für das Abendmahl stiftete die Königliche Landeskonsistorium. Das Abendmahlsgeschirr ist bis heute im Gebrauch.

In den nächsten Jahren wurde mehrfach für die weitere Ausschmückung der Kirche gesammelt. Die damaligen Kirchenvorsteher zogen von Haus zu Haus, um die Kirche mit Kronleuchtern (1910) und Behängen für Altar und Kanzel ausstatten zu können. 1909 erhielt der Zugang zur Kirche und Pfarrhaus Eisenpforten. Die Taufschale wurde von Torfmeister Weert Görtemaker und Frau zu Ostern 1910 gestiftet, die Taufkanne Ostern 1912 durch die Frau von Lehrer Eilers aus Aurich.

 

Nach ihrer Fertigstellung war die neue Kirche für 275 Plätze ausgelegt. Bereits acht Jahre später wurde gegenüber dem Landeskonsistorium bemängelt, sie sei zu klein.

Im Jahr 1911 kann die Orgel durch Zuschüsse und den Verkauf von Erbgräbern in der Kirche eingebaut werden. Das zweimanualige Instrument mit Taschenlade stammt von der Firma Furtwängler und Hammer in Hannover. Am 28. Januar 1912 wurde die Orgel feierlich eingeweiht, in den Jahren 1952 und 1986 gründlich überholt.

 

Damit war das gottesdienstliche Inventar vollständig.

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